„Wir stoppen das Mobbing“

 

Jugendsozialprojekt an der Mittelschule Gochsheim kommt bei Sechstklässern gut an

 

 

„Anti-Mobbing-Experten der Mittelschule“ können sich die Schüler der sechsten Ganztagsklasse von Lehrerin Dagmar Palmer nennen. Jugendsozialarbeiterin Ute Fichte, die im dritten Jahr an der Schule tätig ist, hat das Projekt erarbeitet. Ein ganze Woche lang beschäftigten sich die Schüler mit dem Thema Mobbing.

Was ist Mobbing? Um diese Frage zu beantworten, schauten sich die Schüler den Film „Schulweg in Angst“ aus. Bei einigen Jugendlichen habe dies große Emotionen ausgelöst – bis hin zu Tränen, erzählt Ute Fichte. Danach übten sie, wie man Mobbing entgegnen kann. Wichtig sei, so Leon, die richtigen Worte zu nutzen. Denn „Stopp“ reicht oft nicht aus.

Mobbing geschieht oft ohne Grund, geht über einen längeren Zeitraum und geschieht meist verdeckt. Der Streit oder Konflikt löst beim Opfer große Ängste aus, die bis hin zu Selbstmordgedanken führen können. Meist wollen die betroffenen Kinder nicht mehr in die Schule gehen und nennen als sichersten Ort die Schultoilette. Betroffen sind laut Statistik rund 500 000 Kinder und Jugendliche in Deutschland.

Das Mobbing-Projekt der Jugendsozialarbeiterin kommt bei den Sechstklässern gut an. Man spüre, dass das Thema den Jugendlichen wichtig sei, denn Mobbing-Erfahrungen seien ihnen nicht fremd, hat die Jugendsozialarbeiterin bemerkt. Das Projekt soll sie stark machen.

Lehrerin Dagmar Palmer ist überzeugt, dass ein Jugendsozialarbeiter an der Schule zusätzliche Sichtweisen und pädagogische Ansätze einbringen kann, was über die ganz normale Arbeit eines Lehrers hinausgeht. Jugendsozialarbeiter sollten verpflichtend an jeder Schule in Vollzeit angestellt werden, meint sie.

Konrektorin Katrin Beinrott schätzt die Arbeit der Jugendsozialarbeiterin an der Mittelschule als ebenso unverzichtbar ein wie ihre Kollegin Andrea Maier von der Grundschule. Seit Mai betreut die Sozialarbeiterin auch die Kinder der Grundschule und hat somit das Wohl von 540 Kindern im Auge. Anders als an der Mittelschule finanziert die Gemeinde den Einsatz an der Grundschule alleine aus ihren Haushaltsmitteln.

In den Mittelschulen tragen die Regierung Unterfranken, die Gemeinde und das Landratsamt je ein Drittel der Kosten. Ute Fichte ist Ansprechpartnerin für Kinder, Eltern, Lehrer und Schulleitung. Streitigkeiten im Klassenverband sollen sich nicht verhärten. „Je früher Probleme erkannt werden, desto weniger türmen sie sich zu Riesenproblemen auf“, sagt Fichte.

Vermehrt würden auch Eltern Rat suchen, sagt Konrektorin Katrin Beinrott. Probleme könnten so mit einer neutralen Person besprochen werden.

Jugendsozialarbeit will soziale Benachteiligungen und individuelle Beeinträchtigungen überwinden, klärt Fichte auf. Aufgrund der geänderten gesellschaftlichen Verhältnisse seien Eltern und Lehrer mehr als früher gefordert. Erziehung gestalte sich heute ganz anders. Auch die Zahl der Alleinerziehenden oder Patchworkfamilien erhöhe sich immer mehr. Hinzu komme, dass in vielen Familien beide Elternteile berufstätig seien, wodurch weniger Zeit für die Erziehungsarbeit bleibe. Die Jugendsozialarbeiterin will deshalb Ansprechpartnerin in Erziehungsfragen sein.

Jedes Kind, das Hilfe oder ein Gespräch sucht, wird individuell betreut, um die schulische und berufliche Ausbildung oder Eingliederung in die Arbeitswelt und ihre soziale Integration zu fördern, erklärt Fichte. Die Schüler würden das Angebot gerne annehmen, fühlten sich „unheimlich geborgen“ und ernst genommen, weiß die Konrektorin aus den Erfahrungen der zurückliegenden Jahre. Ute Fichte sei sehr engagiert und ein absoluter Gewinn für die Schule, sagen die Schulleitungen. Ihre hohe Kompetenz sei eine Bereicherung und aus ihrem Schulalltag nicht mehr weg zu denken.